Migratorische oberflächliche Thrombophlebitis bei einem Cannabis-Raucher

Ein 28-jähriger, zuvor gesunder Mann stellte sich mit einer fünfjährigen Vorgeschichte wiederkehrender schmerzhafter subkutaner Knötchen an verschiedenen Stellen vor, einschließlich beider Beine, des linken Fußes, der Hand und der Leiste. Er entwickelte zunächst spontan ein 1 cm großes Knötchen in der rechten Wade, das sich innerhalb von 2 Tagen auf 4 cm Länge ausdehnte und dann wieder verschwand, wobei die gesamte Episode 5 Tage dauerte. Der Patient berichtete über >10 ähnliche Ereignisse, die alle paar Wochen an verschiedenen Stellen auftraten. Er leugnete Tabakkonsum. Es gab keine familiäre Vorgeschichte von venösen Thromboembolien. Die Untersuchung ergab einen leicht erythematösen und zarten knotigen Strang am rechten Oberschenkel des Patienten (Abbildung 1).

Abbildung 1. Der rechte Oberschenkel des Patienten zeigt einen erythematösen und zarten knotigen Strang.

Eine umfangreiche Untersuchung auf Thrombophilie, Malignität und rheumatologische Erkrankungen war ergebnislos. Die Biopsie der betroffenen Vene zeigte einen thrombotischen Verschluss mit Mikroabszessen und vielkernigen Riesenzellen sowie eine ausgedehnte entzündliche Zellinfiltration in der Intima und im Thrombus (Abbildung 2). Die Biopsieergebnisse des Patienten stimmten mit dem klinischen Verdacht auf Thromboangiitis obliterans oder Morbus Buerger überein, eine segmentale entzündliche Erkrankung mit Thrombenbildung, die am häufigsten kleine bis mittlere Blutgefäße betrifft. Obwohl Arterien am häufigsten betroffen sind, können auch Venen betroffen sein. Ursache und Pathogenese des Morbus Buerger sind noch nicht vollständig geklärt, doch wird die Tabakexposition häufig als wesentlicher Faktor für die Diagnose und das Fortschreiten der Krankheit angesehen. Es wurden einige wenige Fälle im Zusammenhang mit Cannabiskonsum berichtet.1

Abbildung 2. A, Ansicht mit geringer Vergrößerung (Hämatoxylin- und Eosinfärbung, ×10 Vergrößerung), die einen intraluminalen Thrombus und eine ausgedehnte Infiltration von Entzündungszellen in die Intima und den Thrombus zeigt. B, High-Power-Ansicht (Hämatoxylin- und Eosinfärbung, ×60 Vergrößerung) des Gefäßlumens mit Mikroabszessen und einer vielkernigen Riesenzelle innerhalb des Thrombus. C, High-Power-Ansicht (Hämatoxylin- und Eosinfärbung, ×60 Vergrößerung), die zeigt, dass die Gefäßwand im Wesentlichen intakt ist. Die Befunde stehen im Einklang mit Thromboangiitis obliterans.

Weitere Befragungen unseres Patienten ergaben, dass er Cannabis raucht. Die Episoden der oberflächlichen Thrombophlebitis traten besonders häufig und ausgeprägt auf, wenn er Cannabis in Form von Blunts (aus Zigarrenhülsen, bei denen die Tabakfüllungen durch Cannabis ersetzt werden) rauchte und Cannabis mit Tabak mischte. Eine Umstellung auf das Rauchen von reinem Cannabis mit einer Wasserpfeife reduzierte die Häufigkeit und den Schweregrad der Episoden.

Es wurde empfohlen, mit dem Cannabisrauchen aufzuhören. Der Patient hörte 1 Jahr lang mit dem Rauchen auf und blieb während dieser Zeit symptomfrei. Bei der Nachuntersuchung berichtet er von wiederkehrenden Episoden oberflächlicher Thrombophlebitis, nachdem er das Wasserpfeifenrauchen von reinem Cannabis wieder aufgenommen hatte. Er konsumiert jetzt ≈0,25 g Cannabis pro Sitzung und raucht zwischen 4 und 10 Mal pro Tag, d. h. er konsumiert 1 bis 2,5 g täglich.

Zu den wichtigsten Verabreichungswegen von Cannabis gehören das Rauchen von Blunts oder Joints (mit oder ohne Tabak), das Rauchen oder Inhalieren mit einer Wasserpfeife (mit oder ohne Tabak) und das Schlucken.2 Das kombinierte Rauchen von Cannabis und Tabak ist weltweit verbreitet, und diese Praxis wird möglicherweise auch in den Vereinigten Staaten immer beliebter.2,3 Im Gegensatz zu unserem Fall beschreiben die meisten Berichte über Cannabiskonsum und das Buerger-Syndrom Patienten mit gleichzeitigem Tabakkonsum. Ein weiterer ungewöhnlicher Aspekt der Präsentation unseres Patienten ist seine venöse Beteiligung; in der aktuellen Literatur finden sich vor allem Hinweise auf eine „Cannabis-Arteriitis“. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Fall eine Ursache für eine oberflächliche Thrombophlebitis aufzeigt, die Kliniker normalerweise vielleicht nicht in Betracht ziehen, die aber angesichts der Prävalenz des Cannabiskonsums eine Überlegung wert ist.

Angaben

Keine.

Fußnoten

Korrespondenz an Stephan Moll, MD, University of North Carolina School of Medicine, CB No. 7035, Chapel Hill, NC 27599. E-Mail
  • 1. Cottencin O, Karila L, Lambert M, Arveiller C, Benyamina A, Boissonas A, Goudemand M, Reynaud M. Cannabis arteritis: review of the literature.J Addict Med. 2010; 4:191-196.CrossrefMedlineGoogle Scholar
  • 2. Baggio S, Deline S, Studer J, Mohler-Kuo M, Daeppen JB, Gmel G. Routes of administration of cannabis used for nonmedical purposes and associations with patterns of drug use.J Adolesc Health. 2014; 54:235-240.CrossrefMedlineGoogle Scholar
  • 3. Ream GL, Benoit E, Johnson BD, Dunlap E. Smoking tobacco along with marijuana increases symptoms of cannabis dependence.Drug Alcohol Depend. 2008; 95:199-208.CrossrefMedlineGoogle Scholar

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